Rezepte-App mit KI: welche 2026 wirklich etwas kann
2026 nennt sich praktisch jede App „KI-gestützt“, Rezepte-Apps eingeschlossen. Wer eine Rezepte-App mit KI sucht, sollte deshalb eine engere Frage stellen: Was liest die KI eigentlich – und was kann sie noch, wenn das Rezept einmal gespeichert ist?
Verglichen haben wir die KI-Rezepte-Apps, nach denen wir am häufigsten gefragt werden. Grundlage waren die Dokumentation der Anbieter, die Einträge im App Store und bei Google Play sowie die Versionshinweise, Stand Oktober 2026. Wo eine Methode nur Werbeaussage des Herstellers ist oder gar nicht beschrieben wird, schreiben wir das dazu. Pluck steht selbst auf dieser Liste – nimm unsere Reihenfolge also mit entsprechender Vorsicht. Die Kriterien legen wir offen, damit du sie selbst anlegen kannst.
Was sich seit der ersten Fassung geändert hat
Als dieser Beitrag im März 2026 erschien, zogen die meisten Rezepte-Apps entweder Rezept-Markup aus Webseiten oder lasen Bildunterschriften in sozialen Netzwerken. Das stimmt so nicht mehr. ReciMe, Honeydew und Deglaze transkribieren inzwischen die Tonspur eines Videos, Deglaze liest nach eigener Aussage auch eingeblendete Schrift, Mela und Pestle werten Bildunterschriften mit maschinellem Lernen direkt auf dem Gerät aus, und Paprika 4 (seit dem 28. September 2026 in der offenen Beta) bringt den Import aus sozialen Netzwerken und aus Fotos mit. Yummly, das in der ersten Fassung noch vorkam, wurde im Dezember 2024 eingestellt und ist deshalb rausgeflogen.
Das KI-Spektrum in Rezepte-Apps
Die KI in Rezepte-Apps lässt sich heute grob in fünf Stufen einteilen:
- Keine KI: klassisches Web-Clipping, das im Quelltext einer Seite nach Rezept-Markup sucht, mitunter ergänzt um einfache Texterkennung (OCR) für Scans. (Paprika 3, Recipe Keeper, Copy Me That, „Add a Recipe“ bei NYT Cooking)
- Bildunterschrift, auf dem Gerät ausgewertet: maschinelles Lernen auf dem Handy liest die Bildunterschrift eines Beitrags oder die Beschreibung eines Videos. Was nirgends geschrieben steht, fehlt. (Mela, Pestle)
- Cloud-KI für Text und Fotos: Die KI liest Bildunterschriften, Webseiten und Fotos und kann ein Rezept erzeugen oder erraten, wenn der Text dünn ist. (Flavorish, das zuerst die Bildunterschrift auswertet; die Versionshinweise erwähnen eine Audio-Transkription, die wir nicht bestätigen konnten)
- Bildunterschrift plus Tonspur: Die KI hört beim Video zusätzlich zu, gesprochene Mengen landen also im Rezept. (ReciMe, Honeydew)
- Bildunterschrift, Tonspur und Videobilder: Die KI liest außerdem eingeblendete Schrift und das, was im Bild zu sehen ist. (Pluck; Deglaze beschreibt denselben Ansatz für Videos bis zehn Minuten)
Für Rezepte aus sozialen Netzwerken zählt vor allem der Sprung von Stufe 2 auf Stufe 4: Viele Creator sagen die Mengen nur an und schreiben sie nie auf.
Die KI-Extraktion im Vergleich
| App | Webseiten | Fotos / Scans | Video aus Social Media: was gelesen wird | Schrift im Bild / Videobilder | KI-Chat-Assistent | Plattformen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Pluck | KI | Ja (auch Handschrift) | Bildunterschrift + Ton + Videobilder | Ja | Ja (Bezahl-Abos) | iOS, Android |
| Deglaze | KI | Ja (Kochbücher, Screenshots) | Bildunterschrift + Ton + Bilder (laut Anbieter) | Ja (laut Anbieter) | Nein | iOS, Android, Web |
| Honeydew | KI | Ja (mit Plus) | Bildunterschrift + Transkript der Tonspur | Keine Angabe | Ja | iOS, Android |
| ReciMe | KI | Ja (auch Handschrift) | Bildunterschrift, danach Transkript der Tonspur | Kein Hinweis darauf | Nicht bestätigt | iOS, Android, Web |
| Flavorish | KI | Ja | Vor allem Bildunterschrift | Kein Hinweis darauf | Nein | iOS, Android, Web |
| Pestle | Apple Intelligence | Ja (Rezeptscanner) | Bildunterschrift (auf dem Gerät) | Nein | Nein | nur Apple |
| Mela | Clipper | Ja (OCR) | Beschreibung (auf dem Gerät) | Nein | Nein | nur Apple |
| Recipe Keeper | Clipper | Ja (OCR) | Instagram/TikTok, vermutlich Bildunterschrift | Nein | Nein | iOS, Android, Windows, Mac |
| Paprika 3 | Clipper | Nein (Paprika 4 Beta: ja) | Keins (Paprika 4 Beta bringt es mit) | Nein | Nein | iOS, Android, Mac, Windows |
Wie wir gewichtet haben
Bei einer „Rezepte-App mit KI“ haben wir drei Dinge bewertet, in dieser Reihenfolge:
- Was die KI aus einem Video oder Foto herauslesen kann. Mehr Signale bedeuten weniger Rezepte mit fehlenden Mengen.
- Was die KI nach dem Speichern noch tut. Ein Assistent, der das Rezept kennt, KI-Essensplanung, KI-Bearbeitung.
- Preis und Plattformen. Was die KI-Funktionen kosten und ob die App auf deinem Handy läuft.
1. Pluck: Bildunterschrift, Ton und Videobilder – und ein Assistent am Herd
Teilst du einen Beitrag mit Pluck oder fügst einen Link ein, führt die KI alle Signale zusammen, die sie bekommen kann:
Videobilder und eingeblendete Schrift: Jemand blendet auf TikTok zwei Sekunden lang „220 °C, 20 Minuten“ ein, sagt es aber nicht? Auch diese Schrift liest Pluck mit.
Tonspur: Aus „ungefähr drei Esslöffel Tomatenmark, dann mit Weißwein ablöschen“ wird strukturierter Rezepttext – auch wenn es nirgends geschrieben steht.
Bildunterschriften und Karussells: Die Bildunterschrift wird ebenfalls gelesen, und ein Foto-Karussell auf Instagram oder TikTok wird als ein einziges Rezept erkannt.
Fotos: Handgeschriebene Rezeptkarten, Kochbuchseiten und Screenshots werden zu strukturierten Rezepten – praktisch, wenn du Familienrezepte digitalisieren willst.
KI-Kochassistent (in den Bezahl-Abos): Er kennt das Rezept, das du gerade offen hast. Frag ihn nach Ersatzzutaten, Mengen, Umrechnung oder Technik und übernimm die Änderungen direkt ins gespeicherte Rezept. Im Kochmodus fragst du gezielt zum Schritt, an dem du gerade stehst.
Konfidenzwert: Zu jeder Extraktion zeigt Pluck einen Konfidenzwert, damit du weißt, wann du vor dem Speichern lieber noch einmal draufschaust.
Womit es umgehen kann: Instagram (Reels, Videobeiträge, Karussells), TikTok (Videos und Foto-Karussells), YouTube (auch Shorts), Facebook (Videos und Reels), jede Webseite und Fotos.
Neben der KI hat Pluck einen Essensplan, eine nach Abteilungen sortierte Einkaufsliste, die doppelte Zutaten zusammenführt, und die kostenlose Suche „Was kann ich kochen?“, die deine gespeicherten Rezepte nach den Zutaten sortiert, die du da hast (so funktioniert das). Die App gibt es in sechs Sprachen, Deutsch eingeschlossen.
Ehrliche Lücken: keine Web- oder Desktop-App, keine Freigabe für den ganzen Haushalt, keine Nährwertangaben, und im Gratis-Plan ist der Assistent nicht enthalten.
Preis: Gratis (3 Extraktionen im Monat, 10 gespeicherte Rezepte), Light $2.99/Monat, Plus $6.99/Monat, Pro $11.99/Monat oder $499.99 einmalig auf Lebenszeit. Der Assistent steckt in jedem Bezahl-Abo.
Mehr dazu: Wie die Extraktion per KI bei Pluck abläuft | Fünf KI-Rezeptextraktoren im Test
2. Deglaze: bei der Extraktion am nächsten dran
Deglaze ist der Konkurrent, dessen Extraktion der von Pluck am meisten ähnelt. Im eigenen Blog (April 2026) beschreibt der Anbieter, dass er Bildunterschrift, Transkription der Tonspur, Bild für Bild gelesene Einblendungen und eine Szenenerkennung kombiniert – für Videos bis zehn Minuten. Importiert wird aus Instagram, TikTok, YouTube (auch Shorts), Facebook und Pinterest, dazu Kochbuchfotos und Screenshots. Wie gut das in der Praxis funktioniert, haben wir nicht selbst überprüft.
Dazu kommen ein Essensplaner mit Kalenderabgleich, eine nach Abteilungen sortierte Einkaufsliste mit Lieferdienst-Anbindung, Kochsessions mit mehreren Rezepten gleichzeitig und Freigabe im Haushalt. Deglaze läuft auf iOS, Android und im Browser. Was fehlt, ist ein KI-Assistent, den du beim Kochen fragen kannst.
Preis: Gratis (laut Deglaze 5 Importe pro Woche), Pro $49.99/Jahr.
Pluck vs Deglaze – der ausführliche Vergleich
3. Honeydew: hört mit und hat einen KI-Assistenten
Honeydew importiert TikTok, YouTube, Instagram Reels und Facebook Reels und nutzt dabei das Transkript der Tonspur. Nach dem Import bietet es von allen hier die breiteste Palette an KI-Funktionen: einen KI-Assistenten zum Chatten, einen KI-Essensplaner, einen KI-Rezepteditor, Ersatzzutaten, einen Übersetzer und Nachkoch-Rezepte aus dem Foto eines Gerichts.
Außerdem gibt es Nährwerte (Kalorien und Makros), einen Vorratsmodus per Foto und Freigabe für bis zu sechs Personen im Haushalt, und das Ganze in elf Sprachen. Ob Honeydew eingeblendete Schrift liest, verrät der Anbieter nicht. Für Foto- und Social-Media-Importe brauchst du Honeydew Plus.
Wer KI-Assistent und gemeinsamen Haushalt in einer App will, ist bei Honeydew gut aufgehoben.
Preis: Gratis-Version, Honeydew Plus $6.99/Monat oder $39.99/Jahr.
Pluck vs Honeydew – der ausführliche Vergleich | Honeydew-Alternative
4. ReciMe: groß, ausgereift und inzwischen ganz auf Social Media ausgerichtet
ReciMe importiert aus Instagram, TikTok, Facebook, YouTube und Pinterest. Bei TikTok, Instagram und Facebook liest es zuerst die Bildunterschrift, dann die Tonspur des Videos und sucht schließlich nach der Webseite der Person, die das Rezept veröffentlicht hat. Fotos, Screenshots und handgeschriebene Rezepte verarbeitet es auch, und es läuft auf iOS, Android und im Browser.
ReciMe gehört zu den größten Apps der Kategorie, mit Wochen-Essensplan, Einkaufsliste samt Lieferdienst-Bestellung und geteilten Sammlungen. Hinweise darauf, dass es Videobilder oder eingeblendete Schrift liest, haben wir nicht gefunden, und einen KI-Chat-Assistenten konnten wir nicht bestätigen.
Preis: Gratis (5 Importe pro Woche), ReciMe Plus in den USA etwa $39.99/Jahr.
Pluck vs ReciMe – der ausführliche Vergleich
5. Flavorish: zuerst die Bildunterschrift, dazu ein Rezeptgenerator
Flavorish importiert aus Instagram, Facebook, TikTok und YouTube und geht dabei von der Bildunterschrift aus: Steht dort kein Rezept, schreibt die KI ein „vorgeschlagenes Rezept“. Mit Fotos kommt Flavorish gut zurecht (handgeschriebene Rezepte, Kochbücher, Speisekarten, Fotos von Gerichten), dazu gibt es einen Rezeptgenerator, einen Wochen-Essensplan, geteilte Einkaufslisten und Nährwerte. Einen Chat-Assistenten haben wir nicht gefunden. Die App gibt es nur auf Englisch.
Preis: Gratis-Version (unbegrenzte Web-Importe, je 5 Social-, Bild-, Text- und KI-Importe), Premium $4.99/Monat oder $49.99/Jahr.
Pluck vs Flavorish – der ausführliche Vergleich | Flavorish-Alternative
6. Pestle: KI auf dem Gerät für Apple-Nutzer
Pestle wertet Webseiten und Bildunterschriften aus Instagram, TikTok, Facebook und YouTube mit Apple Intelligence aus, vollständig auf dem Gerät. Es hat einen Rezeptscanner, einen schön gemachten geführten Kochmodus mit Timern, einen Essensplaner über 14 Tage, eine Einkaufsliste und Freigabe im Haushalt. Das Video selbst schaut und hört Pestle nicht, und eine Android-Version gibt es nicht.
Preis: Gratis-Version, Pro $2.99/Monat, $24.99/Jahr oder als Lifetime-Kauf.
Pluck vs Pestle – der ausführliche Vergleich | Pestle-Alternative
Apps mit wenig oder gar keiner KI
- Paprika 3: ein ausgereifter Web-Clipper mit Essensplanung, Einkaufslisten und Vorratsverwaltung, für iOS, Android, Mac und Windows. In der aktuellen Version keine KI. Paprika 4, derzeit in der offenen Beta, bringt Foto-Scans und Importe aus TikTok, Instagram, Facebook und YouTube; wie es Videos liest, hat der Hersteller nicht verraten. Paprika-Vergleich.
- Mela: wunderschön, nur für Apple. Seit Januar 2025 liest Mela die Beschreibungen von YouTube, TikTok und Instagram mit maschinellem Lernen auf dem Gerät, und gedruckte Rezepte erfasst es per OCR. Seit Juni 2025 gab es kein Update mehr. Mela-Vergleich.
- Recipe Keeper: importiert von Hunderten Rezeptseiten, scannt Fotos und PDFs per OCR und holt seit Ende 2024 Rezepte aus Instagram und TikTok. Keine KI. Recipe-Keeper-Vergleich.
- NYT Cooking: redaktionell kuratierte Rezepte im Abo. Über die Recipe Box lässt sich ein Rezept per Link von einer anderen Seite speichern, aber Social-Media-, Foto- oder KI-Import gibt es nicht.
- Yummly: eingestellt. Whirlpool hat die App im Dezember 2024 abgeschaltet, yummly.com leitet inzwischen auf KitchenAid um.
Das sind solide Apps. Kommen deine Rezepte aus Foodblogs mit sauberem Markup, fällt die fehlende KI kaum ins Gewicht.
Warum mehr als die Bildunterschrift zählt
Ein konkretes Beispiel. Du findest ein Rezept auf TikTok. Die Person im Video
- sagt: „drei Esslöffel Gochujang, ein Esslöffel Sesamöl und ungefähr ein Teelöffel Reisessig“
- blendet ein: „30 Minuten marinieren“
- schreibt in die Bildunterschrift: „die beste koreanische BBQ-Marinade überhaupt“
Wer nur die Bildunterschrift liest, bekommt „die beste koreanische BBQ-Marinade überhaupt“. Wer zusätzlich die Tonspur transkribiert, bekommt die drei Zutaten samt Mengen. Wer auch die Videobilder liest, hat obendrein die 30 Minuten Marinierzeit.
Das gilt genauso für Instagram Reels, YouTube-Anleitungen, Facebook-Kochvideos und überall sonst, wo Rezepte im Video stecken.
Unterm Strich
„Rezepte-App mit KI“ heißt je nach App etwas völlig anderes. Im Oktober 2026 holen Pluck und Deglaze am meisten aus einem Video heraus (bei Deglaze nach eigener Aussage); Honeydew und ReciMe nehmen die Tonspur dazu; Mela, Pestle und Flavorish lesen vor allem, was geschrieben steht.
Ist das Rezept gespeichert, haben nur Pluck und Honeydew einen KI-Assistenten, mit dem du reden kannst. Bei Pluck steckt er im Kochmodus und ist ab $2.99 im Monat dabei; bei Honeydew kommen Nährwerte und Freigabe im Haushalt dazu. Brauchst du eine Web-App oder eine Liste für die ganze Familie, ist Pluck heute nicht die richtige Wahl.
Kommen deine Rezepte aus Foodblogs, brauchst du kaum KI. Kommen sie aus sozialen Netzwerken und Kochvideos, entscheidet sich viel daran, was die KI liest.
Den vollständigen Funktionsvergleich findest du im großen Vergleich der Rezepte-Apps. Ebenfalls lesenswert: Beste Rezepte-App für TikTok, Wie KI Kochvideos liest, KI-Extraktion gegen Web-Clipping und Rezepte-Apps im Vergleich.
Pluck gibt es für iOS und Android. Bei Google Play laden. Auch für iOS. Auf unserer Roadmap steht, was als Nächstes ansteht.
Pluck Team
Wir sind ein kleines Team aus Hobbyköchinnen, Hobbyköchen und Entwicklern und bauen die Rezept-App, die wir selbst immer wollten. Wir schreiben über das Speichern von Rezepten, Extraktion per KI und schlaueres Kochen.
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